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Milchbildung

Es geht ohne Medikamente :-)

Es ist allerdings eine Frage der genauen Umstände, wieviel Zeit man mehr benötigt und ob es klappt.
Optimal ist es, wenn die Frau noch vor den Wechseljahren ist, also der monatliche Zyklus da ist und wenn die letzte Stillzeit nicht zu lange zurück ist. Dann spielen noch innere hormonelle Bedingungen eine Rolle, die von Frau zu Frau verschieden sind und die eigene "Fähigkeit", loszulassen - also sich nicht unter Streß zu setzen.
Zum Zyklus das: Jeden Monat spielt sich auf geringerem Niveau hormonell ungefähr das Selbe wie bei einer Schwangerschaft ab. Ab der Mitte der zwei Monatsblutungen entsteht ein Hormonstatus, bei dem es zum Drüsenwachstum in der Brust kommt. Das merken manche Frauen am Spannen der Brust kurz vor der Regel und manche Frauen können kurz vor der Regel auch einige Tröpfchen Milch aus der Brust herausdrücken. Allerdings ist in der Phase bis zum Einsetzen der Regel auch die aktuelle Milchbildung etwas gehemmt.
Wenn keine Menstruation mehr da ist, fehlt der zyklische Drüsenaufbau und man kann nur Milch mit den vorhandenen Drüsen bilden, die sich allerdings mit den Jahren allmählich zugunsten von Fettgewebe zurückbilden. Postmenstruelle Frauen können daher manchmal Pech haben und nur frustrierend wenig Milch geben. Ein Ausweg daraus sind übrigens die Pille "Yasmin" und ihre Verwandten, die genau die fehlenden Hormone enthält und nach einigen Wochen zu beeindruckenden Ergebnissen führt (und dann abgesetzt werden kann). Aber das ist ein anderes Thema. Wen das interessiert, bitte im Netz nach "The Protocols for Induced Lactation" - "Menopause Protocol" von Leonore Goldfarb und Dr. Jack Newmann suchen.

Eine brauchbare Anleitung hat schon vor gut 100 Jahren der alte Carl Buttenstedt mit seiner "Glücksehe" veröffentlicht (siehe links). Erst in den letzten Jahrzehnten hat man fürs Stillen von Adoptivkindern Versuche gemacht, um das Verfahren effektiver (und allgemeingültiger) zu machen. Man fängt am besten 2-3 Tage vor der zu erwartenden Regel an. Eigentlich ist das Aktivieren der Brüste ganz einfach: Wenn in regelmäßigen Abständen an der Brust gesaugt wird, dann beginnt sie, sich zur Milchprodukltion umzubilden. Das heißt, das Fettgewebe wird allmählich durch Drüsengewebe ersetzt, die Brust fängt außerdem an zu wachsen und schließlich fängt sie an, Milch zu geben. ABER: Zumindest in der Zeit der ersten Umbildung muß man das recht intensiv betreiben, je nach eigenen körperlichen Anlagen mehr oder weniger. Es gibt Frauen, bei denen die Brust schon anfängt zu wachsen, wenn sie vom Single-Dasein zu einer Beziehung wechselt, bei der der Partner halbwechs regelmäßig beim Sex ganz normal die Brust stimuliert. Und es gibt andere Frauen, die sehr viel mehr tun müssen. Generell gilt: Kurz und intensiv ist erfolgversprechender als halbherzig und lange. Ideal ist theoretisch ein Stimulations-Abstand von 2 Stunden (außer nachts) zu je maximal 20 Minuten. Also nicht pro Brust, sondern insgesamt. Dabei ist es egal, ob man die Brüste abwechselnd stimuliert oder jedesmal halbe-halbe. Besser ist auf jeden Fall alle zwei Stunden je 10 Minuten als alle 4 Stunden 20 Minuten. Also lieber regelmäßiger als intensiver.

Als Hintergrundwissen sollte vielleicht nachgereicht werden, daß die "ruhende Brust" (so wie sie in der Pubertät wächst) eigentlich der reine Schummel ist. Sie enthält relativ wenige Milchdrüsen und täuscht das Vorhandensein derselben durch Fettgewebe vor. Das ist eine echte Eigenart des Menschen, die kein anderes Säugetier hat. Erst bei einer Schangerschaft wächst das Drüsengewebe und verdrängt allmählich das Fettgewebe. Nach dem Abstillen passiert der umgekehrte Vorgang - außer bei den anderen Säugetieren, wo die Brust/das Euter/die Zitzen einfach verschwinden und höchstens eine "leere" Dehnungsfalte zurückbleibt (Ausnahme: zum Milchgeben gezüchtete Haustierrassen, aber zum Beispiel keine Wildrinder). Aus diesem Grund kann es auch passieren, daß nach dem Abstillen eines Kindes die Brust größer oder kleiner als vorher ist - das Fettgewebe hat sich ja fast komplett wieder neu gebildet. Daß die "Milchbrust" so unglaublich größer als die "Fettbrust" ist (1 bis 3 Körbchengrößen mehr), liegt daran, daß sie einfach etwas völlig anderes ist - sie ist absolut echt, sie besteht aus Milchdrüsen.
Jeder monatliche Zyklus ist hormonell so etwas wie eine kleine Schwangerschaft und deshalb bildet sich auch die Brust in jedem Zyklus wieder etwas um, was viele Frauen an spannenden Brüsten kurz vor der Regel merken und manche sogar an austretenden Milchtröpfchen. Nach der Menopause gibt es den monatlichen Zyklus nicht mehr und damit findet auch kein monatlicher Aufbau des Drüsengewebes mehr statt. Da es zu einem allmählichen Abbau nicht genutzten Drüsengewebes kommt, können postmenstruelle Frauen manchmal nur frustrierend wenig Milch bilden, wenn sie nicht ein paar Wochen lang auf hormonelle Unterstützung zurückgreifen wollen (dazu siehe "Menopause Protocol" weiter oben).

Zur Stimulation ist am allerbesten der Partner, der an der Brust saugt, und zwar rhytmisch mehr wringend als saugend. Dabei etwas hinter der Brustwarze an den Höfen ansetzen. Die Brustwarze bleibt eher ruhig im Mund liegen und wird möglichst geschont. Es soll angenehm sein, kräftig, aber nicht heftig. An zweiter Stelle steht das Ausmelken mit Daumen und Zeigefinger, wobei das für den Mund gesagte analog gilt: Auswringende (tatsächlich ausmelkende) Bewegungen, hinter der Brustwarze beginnend und zur Brustspitze hin abrollend, wobei Hautreibung möglichst vermieden werden soll (wegen wunder Brustwarzen). Auch hier gilt, daß es angenehm sein soll, von der Art her möglichst lustvoll.

Sinnvoll ist auf jeden Fall die Anschaffung einer elektrischen Doppelpumpe, alles darunter ist (glaube ich) an der falschen Ecke gespart. Preiswert zu kriegen ist zum Beispiel die Pumpe "Mini Electric Plus" von Medela oder die "Lactaline" von Ameda, die man auch gebraucht kriegt. Wichtig dabei ist, daß das Pumpen möglichst bequem sein soll, damit am Ende nicht die Faulheit siegt oder die großen Umstände, die man sich macht. Man kann z.B. einen alten BH nehmen, vorne zwei kleine Löcher reinschneiden (erst Brust rein und mit Stift anzeichnen, wo die Brustwarzen sind). Durch die Löcher kommen die Pumpentrichter und schon kann man bequem beim Lesen, Fernsehen oder Kaffeetrinken oder ind er Badewanne pumpen. Bei der Badewanne übrigens keine Angst: nur das Steckertnetzteil kriegt 220 Volt und sitzt ja direkt an der Steckdose. Der Rest hat nur ungefährliche 12 Volt und selbst die kommen ja wegen der isolierenden Plastikschläuche an der Brust gar nicht mehr an. Die Entspannung in der Badewanne ist übrigens ziemlich hilfreich beim Loslassen.
Wer nicht allzusehr aufs Geld achten muß, sollte sich eine der modernen Zwei-Phasen-Pumpen leisten. In den letzten Jahren ist sehr viel Forschungsarbeit geleistet worden (vor allem bei Medela), um die Pumpen besser an die physiologischen und psychischen Gegebenheiten der Frau anzupassen. Eine Frauenbrust ist eben keine Milchtüte, die man einfach bloß leersaugen muß. Wenn Pumpgefühl und Ästhetik in Ordnung sind, wird mehr und schneller Milch kommen. Und das merkt man bei den modernen Pumpen!

Wann die ersten Milchtröpfchen kommen, ist unterschiedlich. Von 3 Tagen bis 6 Wochen ist alles möglich. Und nicht über die Farbe der ersten Tröpfchen wundern, alles außer Rot ist erlaubt. Die Farbe wechselt dann zu weißlich-trüb und schließlich zu weiß. Das ist dann echte Milch, die auch süß schmeckt.

Zum Schluß soll erwähnt werden, daß viele Frauen zur Unterstützung der Milchbildung zeitweilig das Medikament Domperidon nehmen. Das ist an sich nicht notwendig und das Entscheidende bleibt trotzdem die Stimulation, aber oft wird damit argumentiert, daß sich die zeitintensive Stimulation ganz am Anfang (später nicht mehr) nur schwer in den Arbeitsalltag einpassen lässt. Und tatsächlich ist die Wirkung des Medikaments Domperidon (in einigen Ländern wie Holland, Schweiz oder Spanien rezeptfrei) ziemlich verblüffend. Mehr dazu in der Rubrik "Drogen+Wundermittel" (siehe Menü links).


Hier sind noch zwei ganz ausgezeichnete (!) russische Video-Anleitungen rund ums Pumpen und Melken. Die verwendeten Pumpen mögen "grob" aussehen, aber achtet mal auf die "handwerkliche" Seite; die ist unglaublich gut. Beachtet auch die Hinweise zur vorherigen Stimulation der Brust und wie das im Video ganz genau gemacht wird. Und auch, daß der Partner mitr einer Rückenmassage/Nackenmassage sehr helfen kann, den Milchspendereflex auszulösen. Das kann übrigens weitaus hilfreicher sein als jedes Reden oder Mithelfen an der Brust, weil die Entspannung so indirekt und ohne Druck auf die Frau erreicht wird. Direkt an der Brust oder sonstwoanders hat man ja schnell das Problem, daß man eine Erwartungshaltung auf die Brust gerichtet aufbaut, was dann im Endeffekt völlig kontraproduktiv ist ("Teufelskreis").
Zur Vorführung der Pumpe sei ergänzt, daß vorgeführt wird, wieviel Platz die Brustwarzen haben müssen, damit sie einerseits nicht reiben/klemmen und andererseits genug Stimulation erfolgt. Auch bei der Pumpe gilt wieder, daß es kräftig, aber nicht heftig sein soll. Ideal ist die Stimulation, wie sie ein Baby mit dem Mund macht. Im zweiten Video wird eine Rückenmassage gezeigt, die der Partner machen kann und die sehr (!) beim Entspannen hilft. Entspannung ist der entscheidende Umschalter, der die Milch fließen läßt wenn alles andere gemacht ist. Nichtentspannung und Streß kann als völlige Sperre wirken.


www.youtube.com/watch?v=bT87qlevN-M


www.youtube.com/watch?v=sbxII8kFUxo

Zu den Videos noch der Kommentar hier: Das sind keine Sex-Videos o.ä. Hätte ich ich auch nur annähernd gleich gute Demonstrationen, in denen *kein* Baby zu sehen ist (zweites Video), dann hätte ich die genommen. Aber ich habe kein solches Video und schon gar kein so gutes. Also nehmt es als nichts weiter, als eine Seite, die interessantes Handwerkszeug zeigt. Ich habs noch nie so gut demonstriert gesehen.


Die folgende Werbung ist kein Fake - sie wurde tatsächlich so verbreitet :-)