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FAQ und "Vermischtes"


Wie lange kann man stillen?

Bis ans Ende des Lebens. Die Wechseljahre verhindern nicht das Stillen. Auch die Induktion (Einleitung) der Milchbildung ist noch bis ins ganz hohe Alter möglich. Das Stillen ist sogar nach einer Total-OP des Uterus und der Ovarien möglich.
Eine Frau kann, wenn sie möchte, 30 Jahre und länger stillen. Das hat keine gesundheitlichen Nachteile, aber statistisch den Vorteil eines statistisch deutlich geringeren Risikos für Brustkrebs.


Kann man durch Brustmilch AIDS bekommen?

Jeinein ... aber etwas genauer:

In Ländern, wo unabhängig vom HIV-Status der Mutter gestillt wird, ist die HIV-Übertragung durch Frauenmilch bei Neugeborenen für ungefähr die Hälfte der Mutter-Kind-Übertragungen verantwortlich. Die Mutter-Kind-Übertragungsraten können in solchen Ländern Werte um 40% erreichen. Umgekehrt können aber gleichzeitig bestimmte Antikörper in der Frauenmilch auch schützend wirken, was dazu beitragen kann, die restlichen 60% der Neugeborenen zu schützen.
Die anscheinend unterschiedliche Übertragbarkeit über die oralen Schleimhäute bei Neugeborenen und Erwachsenen wird u.a. durch die Unreife der Darmschleimhäute, die noch fehlende Magensäure und eventuell noch anderen Unterschiede hinsichtlich schützender Faktoren erklärt.
Die Frage der oralen Übertragung von HIV bei Erwachsenen wurde bisher fast ausschließlich im Hinblick auf die Aufnahme von Ejakulat oder Vaginalflüssigkeit in den Mund untersucht, nicht aber durch Frauenmilch. Dabei ist ein Übertragungsrisiko auf Grundlage von Einzelfallberichten zwar nicht auszuschließen aber mit epidemiologischen Methoden nicht zu verifizieren, d.h. die Wahrscheinlichkeit ist vermutlich sehr gering.

Zusammengefaßt: Das Ansteckungsrisiko scheint sehr gering zu sein, wenn man den gegenwärtigen Forschungsstand zugrunde legt. Aber eine absolut sichere Aussage ist derzeit nicht möglich.


Frauenmilch enthält sehr viel Zucker. Kann das Karies fördern?

Auf www.stillen.org steht zusammengfefaßt folgendes:

In populären Quellen wird oft gesagt, daß das abendliche oder nächtliche Stillen das Kariesrisiko erhöht.

Das Karies-Bakterium Streptococcus mutans läßt sich im Mund der meisten Erwachsenen nachweisen und wird durch Ansteckung verbreitet. Es ernährt sich von Zucker und produziert dann aggressive Säuren, die die Zähne angreifen. Eine zuckerreiche Ernährung bei gleichzeitiger unzureichender Zahnpflege führt innerhalb kürzester Zeit zu Karies.

Studien haben gezeigt, dass es einen eindeutigen Zusammenhang mit dem Verzehr von niedermolekularen Kohlenhydraten, zu denen auch Zucker gehört, und dem Entstehen von Karies gibt. Dennoch lässt sich der Zucker nicht alleine für die Entstehung von Karies verantwortlich machen. Ebenso haben Studien ergeben, dass Milchprodukte die Zähne vor Karies schützen. Milch enthält viel Phosphor und Kalzium, die eine Remineralisierung des Zahnschmelzes fördern.

Dennoch gibt es das Phänomen des Milchflaschenkaries bei Kindern. Dabei spielt das stundenlange Nuckeln an der Flasche die entscheidende Rolle. Die Zähne werden so dauernd von Säure angegriffen und letztendlich zerstört. Eine schlechte Mundhygiene tut dann noch ein Übriges. Befindet sich in der Flasche Milch, die dann länger im Mund verbleibt, entstehen durch die Fermentierung Plaque und Säuren, die den Zähnen schaden. An diesem Punkt setzen die Bedenken der Zahnärzte gegen das Langzeitstillen von Babys und das Stillen in der Nacht ein, denn Stillen und Frauenmilch werden (wie so oft) gleichgesetzt mit einer Flaschenfütterung der Kinder.

Beim Stillen werden die Zähne nicht ständig mit Milch umspült, weil im Gegensatz zum Trinken aus der Flasche die Milch erst weit hinter den Zähnen in den Mund gelangt und von dort geschluckt wird. Die Milch läuft aus der Brust nicht wie aus der Flasche heraus, sondern es muss aktiv gearbeitet werden und es wird dann auch geschluckt.

Frauenmilch enthält als einziges Kohlenhydrat Laktose. Laktose ist ein Zweifachzucker, der normalerweise nicht im Mund, sondern im Magendarmtrakt in die beiden Einfachzucker Glukose und Galaktose aufgespalten wird. Es besteht daher ein Unterschied zwischen der Situation beim Stillen und der Situation im Labor, wo Laktose isoliert betrachtet in Einfachzucker aufgespalten werden kann. In der Frauenmilch gibt neben der Laktose noch Antikörper, Laktoferrin usw., die vor Streptococcus mutans schützen. Frauenmilch ist daher nicht kariogen, solange keine anderen Kohlenhydrate zusätzlich verfügbar sind.

Es gibt keine Studien, die sicher einen Nachweis für einen Zusammenhang zwischen Stillen und Karies belegen können. Gestillte Kinder und auch langzeitgestillte Kinder bzw. noch lange während der Nacht gestillte Kinder haben nicht mehr Karies als nicht gestillte Kinder.


Nachteile für die Figur? - Je nach eigenem Gefühl ja oder nein.

An sich scheint es keinen Unterschied zu geben, ob die Milch mit oder ohne Schwangerschaft zustande gekommen ist - wenn die Milchbildung eingeleitet wird, verändern sich die Brüste - übrigens auch, wenn Du schon früher mal gestillt hattest, aber die Veränderungen sind dann nicht so stark.

Wenn Du noch nie gestillt hattest, wird es sehr große Änderungen gehen, weil die Brüste dann ein echtes (!) Entwicklungs-Stadium durchlaufen. Deine Brüste werden nicht mehr wie bei Models in der Werbung aussehen und Du hast dann unwiderruflich keine Teenie-Brust mehr, denn es findet mehr als nur ein Größenwachstum statt. Die bisherigen BHs werden nicht mehr passen.
ie Brüste werden erheblich größer und die Brustwarzen werden dunkler und ebenfalls größer. Darüber hinaus ändert sich auch die Brustform hin zur "erwachsenen" Brust. Das kann je nach körperlichen Anlagen auch eine Hängebrust sein.
Die meisten Frauen sind außerordentlich begeistert von den plötzlich vollen "prägnanten" Brüsten, aber das geht mit der Zeit auch etwas wieder zurück. Der Eindruck voller Brüste bleibt eigentlich, aber es gibt auch einen recht lustigen Unterschied je nach "Füllstand", der von richtig prall bis richtig schlaff reicht. Darauf solltest Du Dich auf jeden Fall einrichten und das solltest Du auch mögen können.

Ach ja, Du kannst etwas mehr essen, da Du ja ein paar Kalorien an Deinen Partner delegierst... Beim Stillen steigt der tägliche Kalorienbedarf um etwa 800 Kalorien an, wenn pro Tag 800 bis 1.000 ml Milch abgegeben werden. In diesem Fall kommt man auf 2.500 bis 3.000 Kalorien pro Tag. Zum Test: Vor und nach dem Stillen auf die Waage steigen und dann Differenz bilden. Normale Digitalwaagen zeigen zwar nur auf 100g genau an, aber wenn Du mehrfach draufsteigst, kannst Du Meßfehler gut vermeiden und die Meßauflösung reicht.


Milchgeben und Piercings, Hintergrundinfos zur Entscheidungshilfe

Früher ging man davon aus, daß durch jede Brustwarze 15 bis 20 Milchkanäle gehen. Neuere Forschungen aus dem Jahr 2005 ergaben aber, daß es nur 4 bis 18 Milchkanäle pro Brustwarze sind. Statistisch ist also die Wahrscheinlichket, eine (prozentual gesehen) wesentliche Anzahl von Milchkanälen zu beschädigen, höher, als man noch vor ein paar Jahren dachte.

Trifft man beim Piercen einen Milchkanal, dann vernarbt der entweder oder er bleibt offen. Da die Brust quasi wie ein Strauch aus unabhängige "Ästen" besteht, die sich widerum in einzelne Zweige aufteilen, wird bei einer Vernarbung jeweils nur ein "Ast" "trockengelegt" (oder mehrere, falls mehr Kanäle vernarbt sind), aber die restlichen "Äste" sind nicht betroffen und geben Milch. Meist drücken die betroffenen Stellen an der Brust eine Weile, weil die Milch nicht ausströmen kann, aber dann wird nach einer Weile die nicht entnommene Milch wieder abgebaut und der betroffene "Ast" stellt seine Milchproduktion ein. Das ist also in der Regel nicht das Problem. Es ist eher eine Wahrscheinlichkeitsrechnung, ob man selbst zu den Frauen gehört, die von der Anlage her viele "Hauptäste" haben oder nicht. Hat man nur vier und beschädigt davon zwei, dann wäre das natürlich mulmig. Wenn man schon Milch hat, kann man mal vorsichtig auf die Brust drücken und gucken, wie viele Tröpfchen sich an unterschiedlichen Stellen bilden. Oder man läßt vom Partner an mehreren Tagen Fotos im Makro-Modus (stark vergrößert) im immer gleichen Winkel machen und guckt dann, wo an den Brustwarzen die Kanäle enden. So wirst du zumindest einen ungefähren Eindruck kriegen, wie viele bei dir existieren. Aber es ist nur ein Anhaltspunkt, weil es durchaus passieren kann, daß sich bei "richtigem Milchdruck" noch ein paar mehr Kanälchen öffnen. Und noch ein weiterer Effekt ist, daß eine "Rekanalisierung" passieren kann, daß sich also beschädigte Milchgänge mit der Zeit regenerieren. So haben z.B. Mütter mit Brustreduktion beobachtet, daß die anfangs geringe Milchmenge mit der Zeit (wieder) stark zunahm und das Kind irgendwann nicht mehr zugefüttert werden musste.

Noch eine andere Frage sind Milchkanäle, die durch das Piercen offen bleiben. Die Brustwarzen sind nicht nur "Andockstellen", sondern auch Muskeln, die die Milchkanäle verschließen. Setzt man das Piercing sehr nahe an der Brust (zum Körper hin), dann kann es sein, daß ein durchstochener Milchkanal nicht mehr durch die Brustwarzen-Muskeln (ich weiß, hört sich bescheuert an) verschlossen werden kann. Wenn dann irgendwann tagsüber mal unwillkürlich der Milchspendereflex einsetzt, dann tropfst du aus dem Piercing-Loch. Kann ein schöner Kick sein, aber auch peinlich...

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich persönlich (aber: 1. ich bin auch keine Frau, 2. ich bin kein Piercing-Fan) würde es nicht machen, aber es hat ja jeder anderen Spaß, also wird wohl jeder selbst abwägen müssen. Aber wenn der eigene Wunsch zu sehr drückt, vielleicht hilft ja der Gedanke, daß das Milchgebende echte Befriedigung gibt, während das Piercen bloß ein Ersatz dafür wäre?


Schwanger werden und Stillbeziehung

Stillen und regelmäßiges Pumpen, Ausmelken usw. wirkt verhütend!
Wie sehr, hängt zwar von individuellen Faktoren ab und natürlich der Regelmäßigkeit der Stimulation, aber wenn man schwanger werden will, merkt man dann doch plötzlich verblüfft, daß an der Sache mit der Buttenstedt'schen Glücksehe vor 100 Jahren (Verhütung übers Stillen des Partners) was dran ist.

Wenn du schwanger werden willst, mußt du unbedingt mit dem Stillen aussetzen und die Brust auch sonst in Ruhe lassen. Das ist einfach so, auch wenn's schwerfällt. Sogar dann, wenn bei dir die Regel gar nicht ausgesetzt hat, kann es trotzdem zwei verhütende Faktoren geben:
1. Du hast nonovulatorische Zyklen (kein Ei springt).
2. Das Ei nistet sich nicht ein (Stillen erzeugt eine Gelbkörperschwäche).
Die Frage des Schwangerwerdens bei aktiver Brust kam nicht nur einmal im Forum oder per Mail. - Zum Beispiel wollte ein Paar, das bereits zwei Kinder problemlos bekommen hatte (damals lebten sie noch nicht in Stillbeziehung), noch ein Kind und das klappte auch nach zwei Jahre noch nicht. Erst als sie mit dem Stillen aussetzten und auch jede Bruststimulation unterließen, wurde die Frau 6 Wochen später schwanger.
Sobald man schwanger ist, sollte man noch bis zur 11. Schwangerschaftswoche (SSW) das Stillen und regelmäßige Bruststimulation unterlassen, danach kann man wieder ganz normal weitermachen und muß auch nicht länger warten. Das würde nicht mehr Sicherheit für die Schwangerschaft bringen, weil die Plazenta dann selbst mehr als genug Progesteron erzeugt, um die Schwangerschaft sicher zu halten.

Die Kehrseite: Selbst wenn das Stillen des Partners mangels genauer Forschung auf gar keinen Fall als sichere Verhütungsmethode gelten darf, ist sie trotzdem besser als nichts für die "Verhütungs-Verweigerer" unter uns, zumal ja vieles dahindeutet, daß langes (auch lebenslanges) Stillen eher gut für die Frau ist.