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Rezension zum Buch Erotische Laktation von Roland Schöbl
(mit freundlicher Genehmigung des Autors)

Gestern Vormittag lag (...) das lange bestellte Buch "Erotische Laktation " von Roland Schöbl endlich bei mir im Briefkasten und ich will gerne meine Meinung zu diesem Buch zum Besten geben, weil ich es für wertvoll halte und wirklich für etwas neues und nie dagewesenes. Wenn man aus eigenem Antrieb eine Rezension zu einem Buch schreibt, dann ist man entweder begeistert oder stinkwütend über den Fehlkauf. Ich bin begeistert!

Da wäre zum ersten der äußere Eindruck. Es ist ein schwarzes Buch in festem Einband, sehr schön aussehend. Auch innen sieht man, daß der Layouter sein Handwerk beherrscht - sehr hochwertiges Glanzpapier und die Seiten ganz schwach mit dem Oberkörper (=den Brüsten) einer nackten Frau hinterlegt. Aber nicht aufdringlich, sondern ganz dezent und die gewählten Frauen heben sich sehr angenehm von dem Typ Frau ab, der einem üblicherweise von den Plakatwänden entgegensieht. Normale Frauen sicher, stillende Frauen vielleicht. Eine insgesamt sehr ästhetische Aufmachung.

Und nun zum Inhalt. Ich hatte befürchtet, daß das Buch in einer ausgetrockneten gestelzten Wissenschaftsprache daherkommt, um nur ja einen schönen Sicherheitsabstand zum Thema halten zu können. Aber nein, im Gegenteil. Das Buch überrascht mit seinem lockeren Erzählstil, verzichtet auf unverständliches Fachkauderwelsch, ohne dabei seinen fachlichen Anspruch zu verlieren und ist außerdem mit einer ganzen Anzahl Bildern illustriert. Ach wenn Wissenschaft doch immer so aufgemacht wäre...

Beim ersten Durchblättern blieb ich gleich auf Seite 8 hängen, wo das Gemälde eines Heiligen abgebildet ist, der Milch aus der Brust der Jungfrau Maria trinkt, mit einer Detailaufnahme der Brust und der ausführlichen Bildunterschrift. Ein gewagter Einstieg ins Thema, aber ganz sicher ein passender, denn Bild und Text zusammen werden wohl auch den größten Zweifler überzeugen, daß das Gemälde eine eindeutige Erotik ausstrahlt.

Dann faßt der Autor zusammen, was über das Thema bekannt ist, nämlich fast nichts. Als Ausgangspunkt geht er dann ausführlich auf die Funktion der weiblichen Dauerbrüste ein, als erogene Zone, als Blickfang für die Männer ... und, ach ja, es wird vor allem darauf hingewiesen, daß nur Menschenfrauen dauerhafte Brüste haben, andere Säugtiere aber nicht. Und noch etwas: Die Männer schauen den Frauen doch erst auf die Brüste und erst danach ins Gesicht. Haben spezielle Brillen bestätigt.
Die durchaus interessanten Vorbetrachtungen laufen schließlich darauf hinaus, warum noch niemand laut die Frage gestellt hat, ob an den Brüsten nicht mehr interessant sein könnte, als nur das Aussehen. Stimmt, warum auch nicht! Und ich war gleichzeitig trotzdem erleichtert, daß der Autor dem Leser nicht die These zumutet, daß der Mann ganz gewiß nur an der Milch der Frau interessiert ist, denn dann wäre diese Rezension bestimmt anders ausgefallen und auch den Versuch dazu hätte ich ihm übelgenommen.

Ab Seite 20 stellt der Autor eine von ihm durchgeführte Umfrage mit insgesamt knapp 8000 Personen vor. Er hatte an die Frauen die Frage gestellt, ob sie ihren Partner ihre Milch trinken lassen würden bzw. umgekehrt an die Männer, ob sie die Milch ihrer Partnerin trinken würden. Die entsprechende Frage wurde getrennt davon auch an die Lesben gestellt. Das Ergebnis ist tatsächlich die auf dem Umschlag versprochene Überraschung: Auf einer Skala von 1-6 vergaben 35% der Frauen die höchstmögliche Note "Wunderschöner Traum", bei den Männern 45% und bei den Lesben gar 56%! Ich habe einmal alle zustimmenden Skalenpunkte von "wunderschöner Traum" bis "recht gerne" zusammengerechnet und kam dabei auf folgende Zahlen: Frauen=60%, Männer=70%, Lesben=80%. Das hätte der Autor durchaus noch hervorheben sollen. Besonders interessant fand ich, daß durch die Skalierung nicht nur eine allgemeine Einstellung sichtbar wird, sondern durchaus noch mehr.

Fast am interessantesten fand ich den geschichtlichen Teil des Buchs, der von einer verrückten japanischen Fernsehshow bis zum ägyptischen Ramses reicht. Es wird eine alte römische Geschichte erzählt, bei der ein verhungernder Vater im Gefängnis heimlich von seiner Tochter durch die Brust ernährt wird, von mittelalterlichen Visionen, in denen die Junfrau Maria unzähligen Mönchen die Brust reicht und es ist von einem völlig verrückten Flugpionier die Rede, der Anfang des 20. Jahrhunderts die Ehepaare durchs Stillen zu Glück und ewigem Leben bringen wollte.

Und dann ist, wie es der Buchtitel ja nahelegt, von erwachsenen Stillpaaren die Rede: aus welcher Motivation heraus sie zum Stillen gekommen sind, welche Besonderheiten es dabei gibt und anderes mehr. Auch gesundheitliche Fragen in diesem Zusammenhang werden besprochen. Mehrere Seiten umfaßt auch die Frage, daß eine Frau auch ohne Schwangerschaft Milch bekommen kann und wie das geht. Auch die Auswirkungen auf das sexuelle Begehren werden besprochen und die Auswirkungen auf die Partnerschaft, wobei hier einige außerordentlich interessante Forschungsergebnisse zur Wirkung des "Still-Hormons" Oxytocin zur Sprache kommen.

Das Buch wird an keiner Stelle eintönig und fast alles war neu für mich. Dabei geht der Autor sehr kritisch mit seinen unzähligen Quellen um und zieht seine Schlußfolgerungen mit Vorsicht. Das muß man bei einem solchen Thema wohl auch. Aber ich persönlich hätte durchaus gerne noch provokantere Thesen gehabt, was sich aus der Deckung heraus leicht sagen läßt. Negativ anzumerken habe ich eigentlich nur die Tippfehler, die sich alle paar Seiten fanden (Lektor krank oder Datei verwechselt?!). Ansonsten warte ich gespannt auf das angekündigte Buch "Süße Milch" des selben Autors. Das Buch bekommt von mir die maximale Punktzahl.

Carlo, Eberswalde